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SC Sand will sich in der Frauen-Bundesliga etablieren

Mit einem Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen startet der Ortenauer Fußball Erstligist SC Sand am Sonntag um 14 Uhr in die zweite Saison der Allianz Frauen-Bundesliga. Nachdem der Kader im Sommer auf zehn Positionen geändert wurde und kurzfristig Anfang August Alexander Fischinger Sven Kahlert als Trainer ersetzte, ist der Klassenerhalt weiter vorrangiges Ziel.
Vor dreieinhalb Monaten gelang den Frauen des SC Sand am letzten Spieltag mit einem Auswärtssieg bei Bayer 04 Leverkusen der Klassenerhalt. Noch ist es bei den Frauen eher eine Ausnahme, dass ein Aufsteiger die erste Saison Bundesliga übersteht. Ganz so spannend wollen es die Verantwortlichen um den geschäftsführenden Manager Gerald Jungmann und dem sportlichen Leiter Dieter Wendling nicht mehr haben. „Ich hoffe, dass wir einen Platz besser stehen. Das ist sicher auch davon abhängig, dass wir aus den ersten Spielen etwas Zählbares mitnehmen“, sagt Gerald Jungmann. Für Dieter Wendling ist nicht unbedingt die Platzierung, sondern die Spielweise entscheidend: „Insgesamt waren wir in der vergangenen Saison zu passiv und haben uns oft unter Wert geschlagen. Wenn wir gut spielen und mutig sind, dann kommt alles ganz von alleine.“ Neben dem sportlichen Aspekt ist aber auch der finanzielle Teil wichtig. Hier ist Sand sicher nicht schlecht aufgestellt, aber es muss auf jeden Cent geachtet werden. Die Lizenz wurde ohne Auflagen erteilt, auch die geforderten Strukturen im Verein sowie im Kühnmattstadion für die zweite Saison erfüllt. Alle Dinge, die für ein drittes Jahr in der ersten Liga umgesetzt werden sollen, sind jetzt schon in der Planung.
Die sportliche Verantwortung hat kurzfristig Alexander Fischinger übernommen, nachdem der bisherige Trainer Sven Kahlert überraschend ein Angebot als Leiter des Nachwuchsleistungszentrum beim Drittligisten SV Wehen Wiesbaden erhalten und Sand um Vertragsauflösung gebeten hatte. „Wir sind froh, dass wir diese Situation so gemeistert haben“, blickt Gerald Jungmann positiv in die Zukunft. Der neue Coach hatte drei Wochen Zeit, den Kader zu sichten und die geeignete Startelf für das erste Saisonspiel zu finden. „Die Mannschaft macht es mir schon schwer, wen ich bringen soll. Ich habe mindestens 17 Spielerinnen, die ich sofort bringen könnte“, beschreibt Alexander Fischinger seinen Eindruck nach den ersten Testspielen und dem fünftägigen Trainingslager. Den Konkurrenzkampf empfindet er als leistungsfördernd und vor allem in den ersten Spielen der Saison kann dies eine gute Motivation für diejenigen sein, die nicht sofort zum Einsatz in der Startelf kommen. „Das große Fragezeichen ist: Was passiert, wenn jemand anfangs nicht so oft zum Zuge kommt oder wie einzelne Spielerinnen reagieren, wenn ich mal mehr Druck aufbauen muss“, will Alexander Fischinger in den kommenden Wochen die Beobachtung auch auf die charakterlichen Eigenschaften legen. Wobei sich Gerald Jungmann und Dieter Wendling einig sind, dass der Kader eine sehr positive Einstellung an den Tag legt.
In der Sommerpause wurde beim Kader ein großer Schritt vollzogen. Zehn Neuzugänge ersetzen die gleiche Anzahl an Abgängen. Die Stammelf der vergangenen Saison verlor mit Allison Scurich, Patricia Hanebeck und Ilaria Mauro die Achse Abwehr, Mittelfeld und Angriff. „Nach zwei Jahren ist nicht nur eine Verjüngung des Kaders notwendig, sonder auch mal frisches Blut notwendig“, erklärt Dieter Wendling. Auch Gerald Jungmann erkennt in der Breite eine deutliche Qualitätssteigerung. Bei den Neuzugängen wurde sowohl auf Erfahrung als auch auf spielerische Qualität geachtet. Bis auf die drei Spielerinnen, die vom österreichischen Vizemeister SV Neulengbach nach Sand wechselten, besitzen alle Erfahrung in der ersten Liga. Mit der 18-jährigen Saskia Meier besitzt Sand nun eine aktuelle U19-Nationalspielerin. Von Vorteil könnte sein, dass einige Spielerinnen auf mehreren Positionen einsetzbar sind. Im Tor erhöht Kristina Kober den Konkurrenzkampf ebenso wie Laura Vetterlein und Jana Vojteková in der Abwehr. Claire Savin und Chioma Igwe können sowohl defensiv als auch offensiv eingesetzt werden. Sabine Stoller ist auf der rechten Seite eine starke Alternative und mit Dominika Škorvánková kam eine technisch starke und torgefährliche Zehn dazu. Und in der Sturmspitze kann Alexander Fischinger mit der jungen Serbin Jovana Damnjanovi? sowie der erfahrenen österreichischen Nationalspielerin Nina Burger, die sechs Mal in Folge Torschützenkönigen in der Liga war, geballte Offensivkraft bringen. In der Vorbereitung war zu erkennen, dass der Kader um die neue Spielführerin Christine Veth nicht nur sportlich, sondern auch menschlich sehr gut harmonisiert.
Die Allianz Frauen-Bundesliga ist mit den Aufsteigern 1. FC Köln und SV Werder Bremen noch attraktiver geworden. Und Sand möchte sich in den kommenden Jahren in der ersten Liga etablieren. Trotz aller guten Vorzeichen ist der Start in die Saison ein Wegweiser für die Zukunft. Mit Bayer 04 Leverkusen, SGS Essen und der TSG 1899 Hoffenheim kommen sicher keine einfachen, aber durchaus lösbaren Aufgaben auf den Ortenauer Erstligisten zu. Daher hofft man in Sand schon in den ersten Heimspielen auf eine starke Zuschauerunterstützung. Die sportlichen Grundlagen wurden geschaffen.

Autor: Udo Künster
Veröffentlicht am 19.09.2015 um 14:43